18. August 2026: kreuzrichtig 03 /26

«Mein Mann ist gut begleitet, das gibt mir Ruhe bei der Arbeit.»

Die Betreuung ihres Mannes prägt den Alltag von Ursula Sutter. Damit sie weiterhin arbeiten kann und ihr Mann trotzdem fachkundig und herzlich begleitet ist, setzt sie auf den Entlastungsdienst zu Hause. Die Unterstützung gibt ihr Sicherheit und ermöglicht ihrem Mann ein Leben in den eigenen vier Wänden.
«Man hat oft das Gefühl, man sei stark genug. Aber man muss auch merken, wenn man an seine
Grenzen kommt», sagt Ursula Sutter.

Als ihr Mann vor einigen Jahren zunehmend gesundheitliche Probleme bekam, veränderte sich auch das Leben von Ursula Sutter. Diabetes, wiederkehrende Infektionen, Stürze und eine Demenzerkrankung machten es immer schwieriger, den Alltag zu bewältigen. Trotzdem stand für beide fest: Er möchte zu Hause bleiben.
 

Zwischen Betreuung, Haushalt und Beruf
«Für uns war schnell klar, dass es ihm zu Hause am besten geht», erzählt Frau Sutter. Die Betreuung ihres Mannes bringt jedoch viele Herausforderungen mit sich. Neben dem Haushalt und administrativen Aufgaben liegt die gesamte Organisation des Alltags in ihrer Verantwortung. Gleichzeitig arbeitet Frau Sutter weiterhin zu 50 Prozent im Spital. Diese Tätigkeit ist für sie weit mehr als nur ein Beruf: Sie bietet ihr Austausch, Wertschätzung und einen wertvollen Ausgleich zum Betreuungsalltag. «Die Arbeit ist mir sehr wichtig. Ich habe dort ein Umfeld, das mir guttut. Das möchte ich noch nicht aufgeben.»


Entlastung, die Sicherheit gibt
Auf der Suche nach Unterstützung empfahl ihr eine Arbeitskollegin den Entlastungsdienst zu Hause. Heute begleiten zwei Mitarbeiterinnen des SRK Kanton Aargau ihren Mann zwei bis drei Mal pro Woche. Sie gehen mit ihm spazieren, einkaufen oder zur Physiotherapie und kochen gemeinsam mit ihm. «Wenn ich weiss, dass um zehn Uhr jemand kommt und ich nichts höre, dann weiss ich: Es ist alles gut.» Diese Sicherheit entlastet sie sehr: Sie könne sich auf ihre Arbeit konzentrieren, während ihr Mann aktiv begleitet wird.

Unterstützung annehmen
Trotzdem bleibt die Situation herausfordernd. Viele gemeinsame Aktivitäten sind nicht mehr möglich, spontane Unternehmungen gehören der Vergangenheit an. «Man wird ein bisschen einsam. Viele Leute verstehen nicht, wie schwierig es wirklich ist, einen Angehörigen zu betreuen.» Deshalb rät sie anderen betreuenden Angehörigen, Unterstützung anzunehmen, bevor die Belastung zu gross wird: «Man hat oft das Gefühl, man sei stark genug. Aber man muss auch merken, wenn man an seine Grenzen kommt.»