Seit vielen Jahren begleitet Hans Mayer seine Frau Rosemarie Mayer in ihrem Leben mit Demenzerkrankung. Was vor rund 15 Jahren mit kleinen Veränderungen begann, wurde 2018 zur Gewissheit – die Diagnose Alzheimer. Seither hat sich ihr gemeinsames Leben grundlegend verändert.
«Am Anfang merkt man einfach: Etwas stimmt nicht mehr», erzählt Herr Mayer. «Man streitet mehr, versteht sich schlechter und weiss nicht, warum.» Erst nach mehreren Jahren wurde klar, was hinter den Veränderungen steckte. Und dann stand für ihn fest: «Sie hat 50 Jahre für mich geschaut – jetzt bin ich für sie da.»
Ein Alltag im eigenen Rhythmus
Heute pflegt Herr Mayer seine Frau zu Hause. Ihr Alltag ist ruhig, entschleunigt und stark auf Gefühle ausgerichtet. «Früher war alles effizient, durchgetaktet. Heute ist alles langsamer. Was früher wichtig war, ist es nicht mehr. Jetzt zählt das Miteinander.»
Rosemarie Mayer kann sich sprachlich nicht mehr ausdrücken. Kommunikation geschieht über Blicke, Gesten, Stimmungen. «Wenn ich nervös bin, ist sie es auch sofort. Also habe ich gelernt, ruhig zu sein. Gefühle überträgt man direkt.»
Um besser mit der Situation umgehen zu können, hat Herr Mayer Kurse besucht, unter anderem zur eigenweltorientierten Kommunikation. «Das war extrem wertvoll. Man lernt, wie man Menschen mit Demenz wirklich versteht: nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen.» Im Lehrgang «Pflegehelfende SRK» hat er sich auch das praktische Wissen für die tägliche Pflege angeeignet.
Entlastung durch die Tagesstätte Frick
Zwei Tage pro Woche bringt Herr Mayer seine Frau in die Tagesstätte Frick des Schweizerischen Roten Kreuzes Kanton Aargau. Dort wird sie betreut, singt, tanzt, ist unter Menschen. Für beide ist das eine grosse Bereicherung. «Sie blüht da richtig auf», sagt er. «Sie tanzt, sie singt – das kann ich ihr zu Hause nicht in dieser Form bieten. Und wenn ich sie abhole, spricht sie ganz viel. Die Worte sind kaum verständlich, aber ich weiss: Sie erzählt mir von ihrem Tag.»
Für ihn selbst bedeutet die Tagesstätte vor allem eines: Entlastung. «Jedes Mal bin ich beruhigt, wenn ich Rosemarie in die Tagesstätte bringe und weiss, sie ist in guten Händen. Und dann denke ich: Herrlich, jetzt habe ich einen Tag frei.»
In dieser Zeit kümmert er sich um Dinge, die sonst keinen Platz hätten, wie etwa seine IT-Arbeiten oder den Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen. «Diese Tage geben mir Kraft.»